Zur Zeit des Kaisers Liu Zou Biao dessen Name bedeutet «der von den Untertanen nicht durchschaut werden kann» hatte sich das Volk daran gewöhnt, sich nicht um die Angelegenheiten des Palastes zu kümmern.

Eines Tages hörte man, der Kaiser habe seinen wichtigsten Berater hinrichten lassen. Am darauffolgenden Tag rief er Meister Ho in den Palast zur Audienz. Er sollte vor ihm erscheinen. Der Kaiser sagte: «Du hast es sicher vernommen, ich liess gestern meinen ersten Berater hinrichten. Immer wenn ich ihn sah, wurde mir unbehaglich. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Und so kam es, dass der erste Berater den Dingen des Reiches eher schadete als nützte, denn ein Herrscher mit einem schlechten Gewissen ist kein guter Herrscher. Ein Herrscher muss von sich selbst und seinen Handlungen rückhaltlos überzeugt sein.» Meister Ho hörte, so wie ihm die Umgebung des Kaisers geraten hatte, schweigend zu. Hin und wieder nickte er zum Zeichen des Verständnisses der Worte des Kaisers. Dieser war hocherfreut, in Meister Ho jemanden zu finden, der seine Worte zu schätzen wusste, und er sagte vor dem Ende der Audienz zu ihm: «Ich überlege mir, ob du nicht mein nächster erster Berater sein wirst. Bereite dich schon einmal darauf vor, diese höchst ehrenvolle Stellung zu bekleiden.»

Nach der Audienz ging Meister Ho auf geradem Wege nach Hause und bat seine Frau, in aller Stille und schnell das Notwendige zu packen und sich auf eine grosse Reise vorzubereiten. Mit Einbruch der Dämmerung nahmen sie ihren Eselskarren, setzten ihre beiden Kinder darauf und verliessen das Land.


Die Flucht aus dem Reich